Ende Oktober noch einmal los, und diesmal nicht im Kreis. Von Preveza im Ionischen Meer einmal um den Peloponnes herum bis in den Saronischen Golf vor Athen. Ein Überführungstörn also, mit deutlich mehr Strecke als Badebucht. Vom 25. Oktober bis zum 7. November, unterwegs mit der Katrin, einer Bavaria C45. Am Ende standen 473 Seemeilen im Log.

Ende Oktober ist in Griechenland eine eigene Jahreszeit. Die Charterflotten sind halb leer, in den Häfen bekommt man Platz ohne Diskussion und die Preise sind angenehm. Dafür ist es abends kühl, das Ölzeug bleibt griffbereit und die Schlechtwetterfronten kommen nicht mehr nur zum Gucken vorbei. Wer das weiß, bekommt ein Revier fast für sich allein.
Start in Preveza
Losgegangen ist es am 25. Oktober in Preveza. Der Abend vor dem Ablegen ist bei mir mittlerweile Ritual: Crew kennenlernen, Yacht übernehmen, einkaufen, und dann sitzt man irgendwann auf dem Vorschiff und schaut, was der Himmel so macht. In dem Fall hat er ziemlich abgeliefert.
Lefkas-Kanal und Ithaka
Am ersten Tag ging es durch den Lefkas-Kanal nach Süden. Der Kanal ist keine Segelstrecke, sondern eine knappe Stunde Motorfahrt zwischen Untiefentonnen, mit der Drehbrücke am Nordende, die zur vollen Stunde öffnet. Dafür spart man sich den ganzen Umweg um Lefkas herum.
Abends lagen wir in Vathy auf Ithaka. Die Bucht zieht sich tief ins Land, der Ort liegt am Ende und ist Ende Oktober vor allem eines: ruhig. Wer Homer mag, kann sich hier ausführlich damit beschäftigen, ob das nun wirklich Odysseus‘ Insel war.
Kefalonia
Weiter nach Poros an der Ostküste von Kefalonia, einem kleinen Ort, der im Sommer als Fährhafen durchläuft und Ende Oktober vor allem leer ist. Abends stehen die Laternen der Uferstraße als lange Streifen im Wasser und außer uns war kaum jemand unterwegs.

Der lange Schlag nach Katakolo
Von Kefalonia hinüber auf die Westseite des Peloponnes ist es die längste Etappe des Törns, und die fängt entsprechend früh an. Um kurz nach fünf haben wir abgelegt, im Dunkeln, und um halb sieben lagen wir südlich der Insel schon eine Weile auf Kurs. Der Himmel war dick zu und irgendwo dahinter ist die Sonne aufgegangen. Das sind die Stunden, in denen niemand redet, jeder seinen Kaffee festhält und man einfach nur fährt.

Elf Stunden später lief Katakolo in Sicht. Der Hafen ist nicht das, weswegen man nach Griechenland segelt, er liegt aber genau richtig, wenn man die Westküste abarbeitet, und wer Zeit hat, fährt von hier aus nach Olympia. Die Sonne stand schon flach über der bewaldeten Landzunge, als wir eingelaufen sind.

Methoni
Am nächsten Tag ging es weiter nach Süden, an der Westküste entlang bis nach Methoni. Das war für mich einer der Höhepunkte des ganzen Törns, und das lag nicht am Ankergrund. Vor der Bucht liegt eine venezianische Festung, die sich über eine ganze Landzunge zieht, mit dem Bourtzi, dem achteckigen Turm, ganz vorne auf dem Fels im Wasser. Abends wird die komplette Anlage angestrahlt. Man liegt also vor Anker, dreht sich um und hat eine beleuchtete Festungsmauer über die halbe Bucht vor sich.

Es hat sich so gut angefühlt, dass wir am nächsten Vormittag noch geblieben sind und uns die Festung von innen angesehen haben. Erst am Nachmittag ging es weiter.
Um Kap Akritas
Weiter ging es um Kap Akritas herum, die Südwestecke des Peloponnes und damit das erste der drei großen Kaps auf dieser Route. Kaps haben die unangenehme Eigenschaft, dass Wind und Welle dort regelmäßig etwas anderes machen als in der Vorhersage, also plant man sie besser nicht auf den späten Nachmittag. Wir hatten Glück und kamen bei ruhigem Wasser um die Ecke und haben kurz dahinter geankert, gerade rechtzeitig, um die Sonne zwischen den Landzungen untergehen zu sehen.

Messenischer Golf und Kap Tenaro
Die Querung des Messenischen Golfs hat uns dann gezeigt, dass wir tatsächlich Ende Oktober unterwegs sind. Wind von vorne, kurze steile Welle, Gischt über das Deck und Ölzeug für alle. Irgendwann ist man durch, aber es war einer der Tage, an denen ich froh war, das gute Zeug eingepackt zu haben statt der Sommerjacke.

Am Nachmittag ging es an der Westseite der Mani nach Süden und am frühen Abend um Kap Tenaro herum, den südlichsten Punkt des griechischen Festlands. In der Antike lag hier der Eingang in die Unterwelt, was einem beim Blick auf die kahlen Felshänge in der Dämmerung durchaus einleuchtet. Direkt hinter dem Kap liegt Porto Kagio, eine tief eingeschnittene Bucht mit Platz für eine Handvoll Boote. Oben am Hang brannte ein einzelnes Licht und spiegelte sich über die ganze Bucht.

Über den Lakonischen Golf und um Kap Malea
Am 1. November ging es um sieben Uhr wieder los, nach Osten über den Lakonischen Golf. Am Ende der Querung wartet Kap Malea, das dritte und mit Abstand berüchtigtste der drei Kaps. Schon in der Antike galt der Spruch, wer Malea umrundet, soll vorher seine Heimat vergessen. Der Fels fällt steil ins Wasser, oben klebt eine weiße Einsiedelei am Hang und der Wind beschleunigt dort gern über die Vorhersage hinaus. Wir sind am nächsten Vormittag drum herum und konnten das Kap von seiner harmlosen Seite erleben.
Monemvasia
Und dann kam mittags der Ort, wegen dem sich der ganze Umweg um den Peloponnes lohnt. Monemvasia ist ein Felsen, der wie ein abgebrochenes Stück Gebirge vor der Küste liegt und nur über einen schmalen Damm mit dem Festland verbunden ist. Daher auch der Name, moni emvasia, ein einziger Zugang. Von See sieht man erst einmal nur den Felsen, die Stadt selbst versteckt sich auf der abgewandten Südseite.

Je näher man kommt, desto mehr löst sich die graue Wand in Mauern, Wege und Häuser auf. Auf halber Höhe zieht sich die Befestigung quer über den Fels, oben auf dem Plateau liegt die Oberstadt, die seit Jahrhunderten Ruine ist.

In der Unterstadt geht es durch ein Tor in der Mauer und danach ist Schluss mit Autos. Gassen, Treppen, Natursteinhäuser und mittendrin der Hauptplatz mit der Kirche Elkomenos Christos und dem freistehenden Glockenturm. Anfang November waren zwar noch Reisegruppen unterwegs, es blieb aber angenehm.

Wer den Weg hoch in die Oberstadt macht, sollte Wasser und feste Schuhe dabei haben. Der Pfad zieht sich in Serpentinen den Fels hoch und ist blank getreten. Oben hat man dafür den kompletten Blick über die Dächer der Unterstadt, die Stadtmauer am Hang und das Meer bis zur gegenüberliegenden Küste.

Oben zwischen den Ruinen steht ein alter Olivenbaum mit einer griechischen Flagge im Geäst, daneben ein paar Stufen ins Nichts und dahinter nur noch Meer. Von allen Bildern dieses Törns ist das mein liebstes.

Hoch in den Saronischen Golf
Am 3. November ging es weiter, die Ostküste des Peloponnes hinauf nach Norden. Der erste Schlag war der lange, er brachte uns bis Spetses. Geankert haben wir dort in der Bucht Agii Anargiri an der Südwestseite der Insel, weit weg vom Trubel im Ort.
Am Tag darauf nur noch ein kurzer Hüpfer hinüber nach Ermioni. Der Ort liegt auf einer schmalen Landzunge und hat zwei Möglichkeiten: die größere Bucht im Norden oder den Stadthafen auf der Südseite. Wir haben den Stadthafen genommen, direkt an der Promenade, und das war die richtige Entscheidung. Damit waren wir zurück im Saronischen Golf, ab hier wird es wieder voller, näher an Athen und spürbar zivilisierter.
Vor Poros lagen wir nachts vor Anker, gegenüber die Lichter der Stadt, daneben nur noch ein zweiter Segler in der Bucht. Ende Oktober und Anfang November hat man solche Plätze tatsächlich für sich, im August wäre da kein Durchkommen.

Die letzten zwei Tage waren dann Saronischer Golf im Kleinen: Ägina, ein paar Meilen nach Norden, ein paar wieder zurück, ohne den Druck, irgendwo ankommen zu müssen. Dieses Bild ist am vorletzten Abend entstanden, eine kleine Felsinsel mit Fahnenmast im Vordergrund und die Sonne, die hinter dem Festland wegsackt.

Am 7. November war der Törn dann vorbei. Vierzehn Tage, drei Kaps und einmal Peloponnes im Uhrzeigersinn.
Die Route
Die Karte zeigt die Route so, wie sie in den Fotos steckt: jeder Punkt eine Position aus den Bilddaten, dazwischen die Verbindung. Nur Spetses und Ermioni fehlten in den Fotos und sind aus dem Gedächtnis ergänzt. Der tatsächliche Kurs war natürlich krummer, in Luftlinie sind es rund 350 Seemeilen statt der 473 aus dem Log, aber die Reihenfolge stimmt.
Fazit
Preveza nach Athen ist kein Törn zum Nebenherfahren. Die Strecke ist lang, die Tagesetappen sind es auch und die drei Kaps Akritas, Tenaro und Malea will man nicht auf gut Glück nehmen, sondern mit Blick auf die Vorhersage. Dafür bekommt man ein Revier, das man im Sommer so nicht erlebt: leere Häfen, Festungen ganz für sich allein und mit Methoni und Monemvasia zwei Orte, die den Umweg um den ganzen Peloponnes rechtfertigen.
Wer im Oktober oder November unterwegs ist, sollte allerdings einplanen, dass die Fronten kommen. Ölzeug, warme Sachen und ein Tag Puffer im Plan sind keine schlechte Idee.
Noch kurz zur Yacht. Die Katrin ist eine Bavaria C45 und war nicht mehr die jüngste, dafür kannte der Skipper sie schon von früher, was einiges einfacher gemacht hat. Stauraum hat sie reichlich, das Gepäck der ganzen Crew verschwindet ohne Diskussion und man steigt abends nicht über Taschen. Dem Alter entsprechend ist sie allerdings nicht mehr komplett im Schuss, und bei ein paar Sachen mussten wir unterwegs selbst Hand anlegen. Auf einem Törn dieser Länge ist das verkraftbar, man sollte nur damit rechnen und nicht erwarten, dass alles beim ersten Handgriff funktioniert.